Einig war sich das Parlament am Montag: Die Belastung für Lehrerinnen und Lehrer ist gross. Und: Der Attraktivität des Lehrerberufs muss Sorge getragen werden. Uneinigkeit herrschte jedoch darüber, welche Massnahmen dafür die richtigen sind.
Im Zentrum der Debatte stand einerseits eine Änderung der Lehrpersonalverordnung, welche unter anderem die Erhöhung der Lohnklasse für Schulleitungen betraf (wir berichteten). Anderseits eine Anpassung des Berufsauftrags für Lehrpersonen im Lehrpersonalgesetz.
SVP und FDP fanden eine umfassende Verbesserung der Arbeitsbedingungen aller Lehrpersonen sei nicht notwendig und beantragten, nicht auf die Vorlage zum Lehrpersonalgesetz einzutreten. Ihr Antrag scheiterte aber mit 98 zu 74 Stimmen.
120 statt 100 Stunden
Konkret schlug die Regierung vor, die so genannte Stundenpauschale von 100 auf 120 Stunden zu erhöhen. Diese Pauschale legt die Zahl der Stunden fest, die einer Klassenlehrperson an ihre Jahresarbeitszeit angerechnet werden etwa für Elterngespräche, für die Organisation von Ausflügen, die Vorbereitung von Schulprojekten oder die Konfliktvermittlung.
«Schritt in die richtige Richtung»
Mit dem Vorschlag der Regierung für die Stundenpauschale war der Zürcher Lehrpersonalverband im Vorfeld nicht einverstanden. Er sei «symbolisch – mehr nicht», sagte Präsidentin Lena Fleisch, in einem Interview mit dem «Tags-Anzeiger». Nötig wären 250 Stunden.
Der Vorschlag der zuständigen Kommission des Kantonsrats, die Pauschale bei 160 Stunden festzulegen, sei zwar nicht die ursprüngliche Forderung, sagte Fleisch. Aber er wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Alles darunter ist schlicht ungenügend.
Ein Kompromiss
Diese Meinung teilte am Montag denn auch die Mehrheit des Rates. Sie stimmte dem Vorschlag der Kommission zu – als Kompromiss und im Wissen, dass eine weitergehende Erhöhung nicht mehrheitsfähig gewesen wäre.
Dagegen waren FDP und SVP. «Im Kern entscheiden wir darüber, ob die Lehrpersonen für die gestiegene Belastung ein Schmerzensgeld erhalten», sagte Marc Bourgeoise (FDP, Zürich). Den Preis für diese Massnahme würden die Gemeinden und damit die Steuerzahlenden zahlen. «Sie müssen möglicherweise mit einem Referendum rechnen», warnte er seine Ratskolleginnen und -kollegen vor.
Auch Rochus Burtscher (SVP, Dietikon) kritisierte, es gehe faktisch um eine weitere versteckte Lohnerhöhung bei bereits hohen Löhnen. «Lehrpersonen sind kantonale Staatsangestellte mit Sonderregelungen, von denen die Privatwirtschaft nur träumen kann», sagte er. Das Bildungssystem brauche dringend Reformen. Der vorliegende Berufsauftrag sei aus Sicht der SVP aber der falsche Weg.